Am 21.06.2010 genau um 13:28 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit ist es so weit. Die Sonne erreicht ihren nördlichen Wendepunkt. Sie beschert uns damit am 21.06 den längsten Tag und darauf folgend (vom 21. zum 22.) die kürzeste Nacht des Jahres. Dann werden die Tage wieder kürzer und die Nächte wieder länger.
Doch kein Grund zur Traurigkeit, denn nicht nur die Sonne ist an ihrem Höhepunkt angelangt auch die Natur ist in Hochform. Pflanzen stehen im vollem Saft, das Korn gedeiht, die Wiesen blühen, Jungtiere wachsen heran, das Obst reift und die heißesten Tage des Jahres stehen uns eigentlich erst bevor. Für die einstige Ackerbau geprägte Bevölkerung war dies eine Zeit des Überflusses: Fleisch, Obst und Gemüse war meist ausreichend vorhanden. Zugleich war diese Zeit ein Verschnaufpause für die Menschen. Die Zeit des Sähens und Heranziehens war zu Ende und die Zeit für die Ernte noch nicht gekommen. Also eine gute Zeit um zu feiern.
Mittsommer steht für "Das Sein" und stellt somit den Gegenpol zum "Vergehen" der Mittwinterzeit dar.
Es ist eine Zeit um möglichst ausgelassen zu feiern. In großen Gesellschaften, in freier Natur, mit üppigen Mahl, kindischen Spielen, viel Spaß, Musik, Tanz und lodernden Feuern am besten von der Mittagsstunde an gleich die ganze kurze Nacht hindurch.
Das Mittsommerfest hat sich bis heute im Volksglauben erhalten und wurde unter christlicher Herrschaft dem Heiligen Johannes geweiht. So heißen die traditionellen Mittsommerfeuer heute meist Johannisfeuer. Durch diverse Kalenderreformen, stimmt der heutige Johannistag nicht mehr mit dem Tag der Sonnenwende überein und wird fix am 24.06 gefeiert. Besonders lebendig ist das Mittsommerfest in Skandinavien, speziell Schweden, hier wird Mittsommer traditionell am Wochenende nach der Sonnenwende gefeiert, also dieses Jahr vom 25.06 bis 26.06.
Das skandinavische Mittsommerbrauchtum ist sehr reichhaltig, aber mit dem Schlüsselwort Johannistag bewaffnet, lassen sich ähnliche Bräuche auch in Deutschland finden.
Kommt vom Wort maja (mit Blumen schmücken) . Die Maistange ist also eine mit Blumen, Kränzen und grünen Laub geschmückte Stange, die zum Mittsommertag aufgestellt wird. Um die Stange wird ausgelassen getanzt. Mancherorts werden mit einer speziellen Choreografie bunte Bänder um die Stange geflochten. Ob die Maistange vielleicht in Beziehung mit Questen und damit vielleicht mit dem Weltenbaum steht, ist nicht bekannt aber gut denkbar.
Speisen:
In Schweden wird traditionell Hering, Knäckebrot, Schnittlauch, Käse und Schnaps konsumiert. In Deutschland gibt’s wie immer spezielles Johannisbier.
Rezepte für's Mittsommerfest - NornirsAett
Wettkämpfe:
Auch Wettkämpfe wurden zu Mittsommer abgehalten, meist im Schießen, Reiten, Klettern (speziell das erklettern von Wimpeln und Tüchern an der Maistange)oder Kämpfen.
Hahnenschlagen:
Ein Brauchtum aus der Ostharzregion, welches heute tierschutzrechtlich nicht mehr korrekt ist. Beim Hahnenschlagen wurde versucht einen Hahn mit einem Aschesack zu treffen, während ein anderer versucht den Hahn dem Schlag zu entziehen. In Halberstadt wurde der Hahn unter einen Topf gesteckt, auf dem man mit verbunden Augen einschlagen muss. Die tierfreundliche Variante ist das heute noch bei Kindern beliebte Topfschlagen. Alternativ eignen sich auch Gummihühner oder man macht einfach eine Person zum symbolischem Hahn. Wenn das kein Heidenspaß wird.
Magisches:
Die blühende Natur soll zur Mittsommerzeit besonders magisch sein, so sollen sich in diesen Nächte häufig Elfen, Zwerge, Hexen und Trolle zeigen. Die Mittsommerzeit ist auch die Paarungszeit der Glühwürmchen.
Kräuter sollen in diesen Tagen besonders heilkräftig sein, deshalb ist Mittsommer die beste Kräutersammelzeit. Speziell das Johanniskraut, auch Hartheu genannt, das zu Mittsommer in voller Blüte steht, wurde gesammelt.
Ein Brauch erzählt, das ein Bursche der wissen wollte ob er seine Auserwählte bekommt, zwei Johannissträucher vor ihr Fenster pflanzen sollte. Wachsen sie zusammen kommt er auch mit ihr zusammen, wachsen sie auseinander ist sie vergebene Liebesmüh. Wurzeln müssen in der Nacht schweigend ergraben werden.
Auch Wünschelruten schneidet man in der Johannisnacht
In Schweden sammeln unverheiratete Mädchen sieben wilde Blumen und legen sich diese des nachts unters Kissen. Sie sollen so von ihrem künftigen Ehegatten träumen. Sie dürfen aber beim sammeln nicht reden und auch ihren Traum niemanden erzählen.
Mittsommerfeuer:
Weit verbreitet ist das Mittsommerfeuer oder auch Johannisfeuer. Bekannt sind auch die durch die NS-Zeit in Verruf geratenen Feuerräder, die die Hänge hinab getrieben werden. Mancherorts wird im Feuer eine Strohhexe verbrannt oder als Warnung Besenreisig angezündet und geschwungen.
Viele heidnische Gruppen werden dieser Tage Mittsommer feiern, die Vereine veranstalten meist in jeder Region ein entsprechendes Fest. Andere schließen sich dem volkstümlichen Treiben diverser Ortschaften an.
Ich werde Mittsommer wie jedes Jahr in Hundisburg mit dem Bärenclan Magdeburg feiern. Ich freue mich schon alte und neue Gesichter wieder zu sehen, auf viel Grillfleisch, Backkartoffeln, selbst gebackenes Brot, Kräuterwanderung, ausgiebige Kubbspiele und Hahnenschlagen. :)
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